
Martin Luther...
… hat sich oft zu dem Brunnen vor dem Elstertor begeben und dort an der Quelle, die aus einem Steilhang heraussprudelt, die Bibel übersetzt. Das belegen Äußerungen von Balthasar Menß, einem Schüler des Reformators und Pädagogen Phillip Melanchthon. Melanchthon sowie Bürger und Handwerksleute haben Luther bei seinen Ausflügen in den Jahren 1521/ 22 begleitet. Luther verfasste hier nicht nur Teile des Neuen Testaments, sondern genoss die schöne Aussicht auf die weiten Wiesen und entspannte sich im kühlen Brunnenhaus. Ein Beleg für Luthers Besuche ist wohl auch der Fakt, dass die Wittenberger Studenten später ihre scheidenden Professoren bis zum Luthersbrunnen begleiteten. Überliefert ist zudem, dass Luther – und später viele nach ihm – Wasser aus dem Brunnen getrunken hat.
Als August der Starke...
… 1694 auf seiner Huldigungsfahrt nach Wittenberg am Luthersbrunnen vorbeikam, war er über dessen Verfall entsetzt. In den Jahren zuvor hatten Diebe die Tür des Brunnens sowie etliche Steine gestohlen. Der Kurfürst verlangte daraufhin in einem Schreiben an den Rat von Wittenberg die Reparatur des Brunnens. Der Rat stimmte zu und schlug dem Kurfürsten zudem vor, daneben ein „Häusgen“ zu bauen und einen Wirt damit zu beauftragen, Wittenberger Bier auszuschenken und Reisende zu beherbergen. Der Kurfürst stimmte 1695 dem Bau des Wirtshauses, dem Bierausschank und der Beherbergung von Reisenden zu –
und verlangte zudem einen ordentlichen Zapfzins.
Doch Jahre vergingen...
… und das Wirtshaus wurde nicht gebaut. „Schuld“ daran war die Universität, die 1968 in einer Appellation erklärte, der geplante Ausschank würde „die zum Laster so schon geneigte Jugend erneut verführen“ und das dürfe nicht geduldet werden. August der Starke, mittlerweile Kurfürstenkönig, ließ sich tatsächlich umstimmen und verbot den Weiterbau. Erst im Jahr 1717 bekam der Brunnen ein starkes Lattengitter aus Eichenholz mit verschließbarer Tür, welches heute noch erhalten ist. Nachdem der Vorschlag, den Brunnen mit einem Haus zu überbauen und daneben noch andere Häuser (z.B. Viehställe) zu errichten, genehmigt wurde, war es wiederum die Universität, die den Bau durch Eingaben und Proteste verzögerte. 1719 wies August der Starke den Protest der Universität endgültig zurück und befahl, den Bau des Gasthauses zu beenden. 1720 kehrten die ersten Gäste im Haus ein. Zudem erhielt der städtische Förster, der den Wald rund um die Gaststätte betreute, hier eine Wohnung. Bis ins 20. Jahrhundert war Luthersbrunnen eines d er beliebtesten Ausflugsziele der Wittenberger. Das belegen auch zwei Gästebücher, die aus den Jahren 1824 bis 1866 sowie 1865 bis 1881 stammen und noch gut erhalten sind. Wittenberg war zu dieser Zeit preußische Garnisonsstadt. Vor dem Wiener Kongress war dies kursächsisches Gebiet.
Gastronomisch genutzt...
… wurde Luthersbrunnen bis 1942. Während des zweiten Weltkrieges wurden die Denkmäler von Luther und Melanchthon auf dem Gelände untergebracht. Zu DDR-Zeiten beherbergte Luthersbrunnen einen Teil des Jugendwerkhofs. Nach der Wende stand das Gebäude zunächst leer, bevor es die Gebrüder Hillebrand im Jahr 1992 komplett umgebauten. Seit Juni 2006 laden Gisela Röder & ihr Team zum Genießen und Wohlfühlen in das Restaurant mit der geschichtsträchtigen Vergangenheit ein.Das Team von Luthersbrunnen dankt den Städtischen Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg, Bereich archivarische Sammlungen, für die gute Zusammenarbeit. Hier sind auch die erwähnten Gästebücher im Original einzusehen. .